Hopfenpflanze – Gattung, Ursprung, Standortbedingungen

Gattung und Ursprung

Die Gattung „Echter Hopfen“ (humulus lupulus) zählt aus botanischer Sicht zur Familie der Hanfgewächse (cannabaceae) und ist in der Ordnung der Rosenartigen (rosales) zusammengefasst.

Den Ursprung der Pflanze vermutet man an den Nordhängen des Himalaya-Gebirges; andere Quellen nennen den Kaukasus. Hopfen ist zweihäusig. Eine Pflanze hat entweder nur männliche oder weibliche Blüten, nur letztere Blüten (Dolden) liefern den wertvollen Braurohstoff.

Hopfen bevorzugt ein kühlgemäßigtes Klima. Die Winter sollen dabei nicht zu kalt, die Sommer nicht zu heiß sein. Zudem benötigt er genügend Niederschläge für das Wachstum der bis zu 9 m langen Reben. Außerdem braucht die Pflanze Hopfen tiefgründige Böden, da diese bis zu einer Tiefe von 2 m wurzelt. Ideal sind dabei sandig-lehmige oder lehmig-sandige Böden. „Der Hopfen ist eine mehrjährige Pflanze, d.h. der Wurzelstock verbleibt nach der Ernte im Boden“ (Kohlmann, Kastner, Kamm, S. 23).

Hopfen kann nur zwischen dem 35′ und 55′ Breitengrad erfolgreich kultiviert werden. Denn die Pflanze braucht zur Ausdoldung (Ende Juni nördlicher Breiten) eine lange Tageslichtdauer – idealerweise etwa 18 Stunden.

Namensgebung

Nach Carl von Linne wurde diese Gattung 1753 in seinem Werk „Species Plantarum“ (Tomus II S. 1028) deklariert. Über die Namensgebung gibt es unterschiedliche, teils widersprüchliche Vermutungen.

Bedeutung „Humulus“

Unter „Humulus“ – ohne den Zusatz „lupulus“ findet man in der Literatur die generelle lateinische Bezeichnung für Hopfen. Ein Hinweis auf die Namensgebung „Humulus“ ist im Fränkischen zur Zeit der Karolinger zu finden: Damals nannte man die Hopfengärten „Umelage oder Umalage“, „umeau“ und „houbloniere“. „Ob nicht daher ‚humulus‘ stammt?“ fragt sich m. E. Braungart zurecht auf Seite 101. Oder steckt in der Benennung „Umelage“ oder „umeau“, die lateinische Bezeichnung „Humus“ für die Gesamtheit der fein zersetzten organischen Substanz eines Bodens. Hopfen stellt ja hinsichtlich der Bodenqualität besondere Ansprüche. Siehe dazu den obigen Abschnitt „Gattung und Ursprung“. Zweifelsohne entspricht „houbloniere“ dem heutigen französischen „Houblon“ für Hopfen. Ein Autor Lennis sagt: Humulus sei das lateinisierte germanische „Humel, Humela oder auch Humal“ (vgl. Lennis 1877, II, S. 379).

Bedeutung „Lupulus“

Auch hinsichtlich des zweiten Namenteils „Lupulus“ herscht mehr Verwirrung als Klarheit. Besonders eine Vermutung – „lupulus“ sei eine Ableitung des Wortes „lupus“ aus „canis lupus“ (lat. „Wolf“) erscheint absurd. Die Erklärung dazu lautet: die Hopfenpflanze „schleiche“ sich, wie ein Wolf, beim Wachstum um die Hopfenstange. Eine plausiblere Vermutung ist der Bezug „lupulus“ auf das lateinische Wort „lupinum“ für Lupine.

Bekanntlich haben frühere Völker Lupinen dem Getreidebrei hinzugegeben, um das Bier bitterer zu machen. Bei Braungart ist hierzu folgendes zu finden (S. 101): „Tychsen […] vermutet, daß [sic] „lupulus“ aus „lupinus“ entstanden sei“ und weiter „daß [!] die Ägypter Lupinensamen beim Brauen […] des Zythos angewandt hätten“. Als eigenständiges Wort für Hopfen hat sich das lateinische „lupulus“ im spanischen (lúpolo) erhalten.

Herkunft des Wortes „Hopfen“

Das deutsche Wort „Hopfen“ scheint vom althochdeutschen „hop“ oder „hupa“ abgeleitet zu sein (vgl. Braungart, S. 99). Nach Beckmann (ebd.) ist in einer Wörterschau aus dem 10. Jhd. die Rede von „timalus (?) Hoppe“. Das altdeutsche Wort „hop“ hat sich für das englische Wort für Hopfen erhalten. Sprachverwandt sind „hope“ (holländisch), „hompe“ (dänisch), „humala“ (finnisch) und „homle umalo“ (sibirisch) [aus Braungart S. 99]. Das slawische Wort für Hopfen „chmel“ – bedeutend für das tschechische Anbaugebiet Saaz (Zatec) – soll aus dem ostasiatischen Raum entstammen (so Schrader nach Braungart, S. 101). Es hat sich abgewandelt erhalten: „khmjel“ (Oberlausitz), „chmelj“ (russisch) und „chmiel“ (polnisch).

Die Kultivierung des Wildhopfens

Wilder Hopfen wächst weltweit dort, wo die Standortbedingungen / -ansprüche (s. o.) erfüllt sind. Bevorzugt werden lichte, nicht zu sonnige Standorte wie an Waldrändern, entlang von Bachläufen, in Auenwäldern oder als Ranken an Hecken und Buschreihen.

Die Pflanze verwildert leicht und es gibt eine Vielfalt an Variationen. Man findet sie auch an Standorten, die keine Doldenbildung erlauben, das heißt außerhalb der o. g. Breitengraden.

Braungart schreibt (S. 148): „es gibt einen überraschenden Reichtum an Varianten aus denen der „Kulturhopfen – echter Hopfen“ (Humlus lupulus) hervorgangen ist“. So unterscheidet er drei Arten von Hopfen auf S. 144 ff.:

  1. Humulus Lupulus L. – auch „europäischer Hopfen“. Er wächst wild durch das ganze südliche und mittlere Europa. Primär wird er in Europa, Amerika und Asien als Nutzpflanze kultiviert.
  2. Humulus Lupulus L. var. cordifolius – auch „herzblättriger Hopfen“ genannt. Vorkommen in wilder Form in Russisch-Asien, Japan und China. Zu diesem Hopfen schreibt Braungart: „daß [sic] ein chinesisches Hopfenbier (der Tarasum) […] mit Humulus cordifolius oder Humulus japonicus gewürzt wird“.
  3. Humulus Japonicus – in Japan und China stark verbreitet.

Nach Systematik und Verbreitung (diverse Quellen) gibt es weltweit eine Vielfalt an Variationen der Gattung humulus, deren Anerkennung von Quelle zu Quelle variiert.

Wildhopfen als Bierzugabe

Erst ab dem 9./10. Jahrhundert dürfte sich der kultivierte Hopfen als geeignete Brauzutat allgemein durchgesetzt haben. Dies gilt aber eingeschränkt für die uns bekannte Geschichte des Brauwesens im europäischen Raum.

Wilder Hopfen scheint aber neben den schon erwähnten Zugaben durchaus auch beim Brauen früherer Völker Verwendung gefunden haben. So beschreibt Braungart (S. 124) sorgfältig die Zubereitung des „Tarasum“, ein von den Chinesen hergestelltes, vergorenes Getränk: „Man nimmt Gerste oder Weizen […] und thut [!] etwas vom chinesischen Hopfen dazu, welcher in Formen gepreßt [!] ist, die ungefähr wie Ziegelsteine aussehen“.

„Ohne Zweifel ist diese Darstellung eines Hopfenbieres in China uralt.“ (ebenda)

Wir finden auch folgendes bei Braungart (S. 122): „Dennoch deuten schwerwiegende Umstände darauf hin, daß [!] auch die Kenntnis des Hopfens und sein Gebrauch bei den Finnen, Esthen [und] Letten Beziehungen zu den Germanen anzeigen.“

Ebendort: „Jetzt wissen wir aus zweifellosen Nachrichten, daß [!] die Osseten […] schon seit ältesten Zeiten gehopftes Bier brauen, während die Völker ringsumher nichts davon wissen“.