Bier bei Frühen Völkern

Bier in Mesopotamien

Endiku weiß nicht, wie man Brot isst, er versteht nicht Bier zu trinken.
Da tat die Dirne ihren Mund auf und sprach zu Endiku:
„Iss das Brot, Endiku, das gehört zum Leben,
trinke das Bier wie es im Leben brauch ist.
(aus dem Gilgamesch Epos)

Bei den hochentwickelten Kulturen des Zweistromlandes war das Bier neben dem Brot eines der wichtigsten Nahrungsmittel.

Die Sumerer nannten ihr Bier „Kasch“. Es war aus Gerste und Emmer und sie waren darauf bedacht den Geschmack des Getränkes zu verbessern. Deshalb würzten sie dieses mit Zimt, anderen Gewürzen und Honig und gaben auch teilweise Lupinen hinzu, um eine gewisse Bitterkeit zu erzielen.

Im sumerischen Staat war das öffentliche Leben genauesten geregelt, das galt auch für das Nahrungsmittel Bier. Jedem sumerischen Einwohner standen 2 – 5 Kannen Bier zu, wohl je nach Standeszugehörigkeit. Durch archäologisch gesicherte Befunde ist ersichtlich, dass die Sumerer dabei ihr Bier – welches mehr einer trüben Flüssigkeit, denn einem gefilterten Getränk glich – aus reichverzierten Tonkrügen mit Saugrohren tranken.

Der später in Babylonien regierende König Hammurapi (1792 – 1750 v. Chr.) verfasste Verordnungen und Gebote zur Staatsorganisation: In Babylonien soll es so rund 20 Sorten „Bier“ gegeben haben, vorwiegend aus Emmer und zugegebener Gerste. Es gab aber auch ein Bier, welches ausschließlich aus Gerste oder Emmer bestand, letzteres war das höherwertige. Außerdem gab es noch ein sogenanntes. „Dünnbier“: ein Getränk, welches aus mit Wasser aufgegossenen Maischeresten bestand. Auch war Hammurapi einer der Ersten, der eine Art „Reinheitsgebot“ verfasste. Der „Codex Hammurapi“ ist eine der ältesten Gesetzessammlungen der Welt und regelte nicht nur wirtschaftliche und rechtliche Beziehungen, sondern eben auch das Brauverfahren von Bier. So wurden Höchstpreise für das Bier festgelegt, ebenso wie die Zutaten-Auswahl: „Bierpanscher werden in ihren Fässern so lange ertränkt oder so lange mit Bier vollgegossen, bis sie ersticken“.

Wie wichtig Bier als Nahrungsmittel für die Babylonier war, zeigt die Tatsache, dass die Hälfte der jährlichen Getreideernte für die Bierherstellung verwendet wurde.

Bier im alten Ägypten

Im Jahr 2021 wurde in einer Ausgrabungsstätte in Ägypten ein etwa 5000 Jahre alter Fund einer vermutlich frühen Braustätte für Bier entdeckt. Die Archäologen schätzen hierbei die produzierte Bier-Menge auf täglich 20.000 l, sprich 200 hl. Dies entspräche einer jährlichen Produktion von etwa 80.000 hl – also der Menge einer heutigen, deutschen Mittelstandsbrauerei.

Bier war damals neben Brot – wie bei den Völkern Mesopotamiens ein tägliches, wichtiges Nahrungsmittel. Auch Staatsbedienstete und Soldaten wurden mit Bier und Brot entlohnt. Arbeiter, die beim Pyramidenbau beschäftigt waren, sollen drei bis vier Brote und zwei Krüge Bier erhalten haben.

Die Ägypter kannten dabei offensichtlich zwei Sorten Bier, welches sie als „Zythus“ oder „Hek“ bezeichneten. Über die Unterschiede dieser beiden Biere ist bisher nichts bekannt. Möglicherweise handelte es sich – ähnlich wie bei den Sumerern und Babyloniern – um die Verwendung verschiedener Getreidesorten. Auch die Ägypter tranken ihr Bier aus Tonkrügen mit Schilfhalmen. Dies lässt darauf schließen, dass das Bier nicht gefiltert war. Zur Verbesserung des vergorenen „Getreidegetränkes“ experimentierte man mit Zutaten wie Kräutern, Pflanzen oder Wurzeln: „sirum sisarum“ (Zuckerwurzel), Lupinen und Schwarzkümmel sollen zugegeben worden sein. Von Hopfen war allerdings wie bei den Sumerern und Babyloniern keine Rede.