Bier im Neolithikum

Im Protoneolithikum und im folgenden Neolithikum (12000 – 9500 v. Chr.) begannen die Menschen sesshaft zu werden. Das Sammeln von Wildgräsern wurde durch gezielte Aussaat abgelöst. Dieser Vorgang (wissenschaftlich auch „Neolithische Revolution“ genannt) fand unabhängig in mehreren Gebieten weltweit statt. Nachweislich gesichert ist diese Veränderung in der Lebensweise der Menschen in den Ländern und Gebieten von: China, Mexico, dem „fruchtbaren Halbmond“, dem östl. Anatolien, der Levante, Mesopotamien und im Niltal. Von dort verbreitete sich das „Sesshaftwerden“ über Europa.

Urbier

Es wird angenommen, dass ab der Sesshaftigkeit die Frühmenschen bereits eine Art „Urbier“ herstellten: ein mit Wasser eingeweichter Getreidebrei, der nach dem Kontakt mit Feuer, die Gärung begann. Die zur Gärung und damit zur Alkoholbildung notwendige Hefe, könnte entweder bereits im Getreidebrei vorhanden gewesen sein, oder aber in Form von Mikrobakterien in der Luft gelegen haben. Quellen nennen auch, dass mit Wasser eingeweichte, gebackene Brotfladen zur Gärung gerieten. Das gebackene Fladenbrot entspräche dann dem heutigen „Weichen“ und „Darren“ des Getreides in einer Mälzerei.

Die Bereitung „Bier-ähnlich“-gegorener Flüssigkeiten, die mannigfaltige Namen führen, ist jedenfalls uralt und scheint bei den meisten Völkern Europas, Asiens, Afrikas und selbst Amerikas von den ältesten Zeiten her gebräuchlich zu sein (vgl. Braungart S. 73).

Braungart ergänzt weiterhin in seiner Monografie „Die Geschichte des Bieres“, dass der Süden bzw. Süd-Osten (Mesopotamien bzw. das Niltal) vermutlich die Heimat des Bieres sei. In jenen Gebieten und Ländern keimte feucht gewordenes Getreide durch das warme Klima. Man versuchte diesen Vorgang durch Trocknung zu unterbrechen und stellte so unbewusst „Malz“ her. Da das gekeimte Getreide nun ungenießbar war, goss man es mit Wasser auf. Der Teil des Breis bzw. Getränkes, welcher nicht gleich getrunken wurde, geriet in Gärung und das „Ur-Bier“ – zunächst noch ohne Hopfen – war unbewusst hergestellt worden (vgl. S. 73).

Das bis heute älteste, vorliegende Dokument zum Brauen von Bier ist ein 6000 Jahre altes Tontäfelchen, welches den Titel „Monument Blue“ trägt und im Louvre in Paris aufbewahrt wird. Sowohl Herkunft als auch der vollständige Textinhalt, konnten nicht ermittelt werden, es wird jedoch im Gebiet von Mesopotamien verortet.

Der Tempelberg Göbekli

Eine Erkenntnis zur Geschichte des Bieres könnten Ausgrabungen auf dem Tempelberg Göbekli im südöstlichen Anatolien liefern. Dort wurden offensichtlich von Beginn an (11600 v. Chr.) religiöse Feste gefeiert. Die Archäologen fanden wannenartige Steinmonumente, in denen man Reste von Calciumoxalat – bekannt als sogn. Bierstein – ermittelte. Es lässt sich m. E. nach vermuten, dass es sich bei den Wannen um Sudkessel handelte, in denen frühe Braumeister aus den Körnern von Wildgetreiden eine Art Bier für die religiösen Feste brauten.

Offensichtlich, so die Vermutung, könnten frühe Pilger durch das Angebot des Verzehrens von Fleisch und Bier zu der religiösen Stätte „gelockt“ worden sein. Die Forschung schließt zudem nicht aus, dass mit der Kultstätte die Sesshaftwerdung der Menschen stattgefunden haben könnte, denn die Sammler des Wildgetreides begannen mit der gezielten Aussaat des Nahrungsrohstoffes Getreide.