Exkurs - Wildhopfen als Brauzugabe

Bei früheren Völkern und bis zum Mittelalter hat man versucht den Geschmack des Bieres oder des bierähnlichen Getränkes durch Zugabe von Kräutern, Früchten und Gewürzen zu verbessern. Für unseren europäischen Kulturkreis kann der Einsatz von kultiviertem Hopfen in Bier auf die Zeit um 900 n. Chr. angenommen werden.

Dass neben den oben entwickelten Zutaten auch Wildhopfen zugesetzt wurde – dort wo er wächst – zeigen Hinweise in der Literatur.

Vor allem bei Braungart in seinem Werk „Der Hopfenbau aller hopfenbauenden Länder […]" sind Hinweise zu finden:

  • "Die mandschunische Chinesen [haben] den Tarasum von jeher mit Hopfen hergestellt" (S. 89)
  • "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Kenntnis des Hopfens […] bei der Bierbereitung durch die Wanderung der Goten und Slawen am Ende des 4. und Anfang des 5. Jhd. nach Mitteleuropa gekommen ist" (S. 6)
  • "Aus Gerste, Korn, Weizen und Hopfen wird von den russischen Brauern seit unerdenklichen Zeiten […] ein Dünnbier gebraut" (S. 88)
  • "Zu diesem Bier verwendeten die Osseten von jeher wilden Hopfen" (S. 14)
  • "Jetzt wissen wir, daß [sic] die Osseten […] schon seit ältesten Zeiten gehopftes Bier brauten, während die Völker ringsherum nichts davon wissen" (S. 172)
  • „über Tarasum […] und ... etwas von dem chinesischen Hopfen dazu, welcher in Form gepreßt [sic] ist der ungefähr wie Ziegelstein aussehen" (S. 120)

 

Wildhopfen

Ein germanisches Sprichwort verdient besonderer Beachtung: „Der Barthmann [Anm. Gott Wodan] hängt den Hopfen Trollen [Anm. Dolden] an“ (S. 79)

Nachdem Wodan im Götterhimmel mit 'Göttertrunk' in Verbindung gebracht werden muss, scheint naheliegend, dass die „Trollen“ beim Brauen von Bier verwendet wurden. "In einem uralten ossetischen Volkslied […] Ich hole von Erlen umrankten Hopfen den Saft zum Bier für dich" (S. 114)

Dies wäre als ein Hinweis darauf, dass auch bei den Germanen Wildhopfen eingesetzt wurde.