Bier in der Antike
Die Griechen
Das Gebiet der Griechen, wenn man das Kernland mit Kleinasien und das südliche Italien betrachtet, ist rein klimatisch „Weinland“. Schon im Neolithikum sollen die Griechen wild wachsende Trauben zu Wein vergoren haben, aber auch das Herstellen von Bier war den Griechen bekannt. Gerade durch die regen Handelsbeziehungen zu Ägypten – mit seiner jahrtausendalten Brautradition – war es nicht verwunderlich, dass die Griechen im 5. Jahrhundert zur Kenntnis des Bierbrauens gekommen sein sollen.
Das Bier soll bei den Griechen ein Getränk für die ärmere Bevölkerung gewesen sein. Braungart schreibt hierzu auf Seite 78, dass „Archilogus“ bereits 720 v. Chr. (!) vom Bier redete, welches er „Gerstenwein“ (vinum hordaceum) nannte.
Über die verwendeten Getreidesorten oder andere eventuelle Zutaten ist nichts bekannt. Man kann allerdings davon ausgehen, dass auch die Griechen bestrebt waren, mit Kräutern oder Pflanzen den Geschmack des hergestellten Getränkes zu verbessern.
Das Römische Reich
Das röm. Reich erstreckte sich in seiner größten Ausdehnung vom Norden der britischen Inseln über Mittel- und Südeuropa bis nach Vorderasien und Nordafrika. Weite Gebiete des Landes waren neben dem lebenswichtigen Getreideanbau auch für die Kultivierung von Wein geeignet. Die Römer entschlossen sich, in den eroberten Gebieten geeignete Flächen für den Weinanbau (bspw.: am Rhein, der Mosel und deren Nebenflüssen) zu nutzen. Auch südlich der Grenzmauer des „Limes“, im heutigen Altbayern, versuchte man Weinberge zu kultivieren (bspw.: bei Landshut oder am Südhang des Freisinger Dombergs): „es wurde dann auch überall im tiefergelegenen Oberbayern noch der Weinanbau gepflegt, den schon die Römer dorthin gebracht hatten“ (Braungart, S. 78) und ebenda: „In vielen Gegenden Bayerns weicht später die Weinkultur dem Hopfenanbau“. Diese Schilderungen machen deutlich, dass Süddeutschland bis in die Zeit des 30-jährigen Krieges auch „Weinland“ war. Mehr dazu in späteren Abschnitten (siehe Neuzeit).
Über Bier berichten römische Quellen nur wenig. Es scheint, wie bei den Griechen, ein Getränk der „ärmeren Bevölkerung“ gewesen zu sein. So sollen die im Grenzgebiet zu Germanien dienenden Legionäre, Bier von den Germanen getrunken haben, da Wein zu teuer war. Bei Braungart, auf Seite 78 ist folgendes zu finden: „Plinius spreche 100 Jahre n. Chr. geringschätzig vom Bier der Germanen“ und weiter im Bericht über die Germanen: „Tacitus [empfand] das Bier [als] ein [aus] Gerste oder Weizen bereitetes einem schlechten Wein ähnliches Getränk“ (Braungart, S. 84)
Die Völker des Nordens
a) Die Germanen
Die „Germania“ von Tacitus ist zwar eine Quelle, die über die Sitten und Gebräuche der germanischen Stämme berichtet, die jedoch eine sehr problematische Rezeptionsgeschichte aufweist.
So sollen die Germanen beständig aus riesigen Trinkhörnern Honig-Met oder Bier getrunken haben. „Und sie könnten wohl Hunger und Kälte ertragen, nicht aber den Durst“ (Großes Lexikon v. Bier, S. 65). Auch soll der reichliche Verbrauch von Getreide (für das Bierbrauen) zu Hungersnöten geführt haben, sofern man den Historikern glauben mag.
In der altnordischen Saga „Edda“ „ist von insgesamt vier alkoholischen Getränken im Götterhimmel die Rede, vom Wein, Met, Bier, Öl (oder Aul) welches die Walküren in Hörnern kredenzten“ (Braungart, S. 84). Und ebenda: „Das Wort „Bier“ (bior) stammt scheinbar vom altsächsischen Worte beere = Gerste“.
Zum Thema Hopfen schreibt Braungart ebenfalls auf Seite 84: „Sehr wahrscheinlich war aber dieses Bier der allerältesten [sic] Zeit ungehopft, wenigstens deutet keine Überlieferung auf Hopfen“ hin.
b) Die Kelten
Bei den Kelten und ihren Lebensgewohnheiten beschränken wir uns hier auf das Siedlungsgebiet im mittleren und westlichen Europa.
Landwirtschaftlich betrachtet war der Getreideanbau von wesentlicher Bedeutung. So spielt die Herstellung von Bier als alkoholisches Getränk die Hauptrolle in der Ernährung.
Für die wohlhabende Bevölkerungsschicht, brauten die Kelten ihr Bier aus dem wertvollen Weizen, versehen mit Honig. Das Bier für die allgemeine Bevölkerung, hatte den Grundstoff Gerste.
Die Kelten nannten ihr Bier „Korma“ oder „Curma“. Das lateinische Wort für Bier – „cervisia“ – soll ein Lehnwort aus der keltischen Sprache sein.
c) Andere nordische Völker
Braungart schreibt: „Die Bereitung „bierähnlich“ gegorener Flüssigkeiten […] scheint bei den meisten Völkern Europas […] von den ältesten Zeiten her gebräuchlich zu sein“ (S. 73). Dies gilt zweifellos auch für die Völker des nördlichen und östlichen Europas, über die keine schriftlichen Berichte – wie bspw. von den Germanen durch Tacitus – vorliegen.
So schreibt Oskar Wiesner (Braungart, S. 89) über die Biererzeugung u. a. von den Teutonen und Skandinaviern: „Es galt gutes Bierbrauen als eine der schönsten Tugenden der Frauen. Die Goten scheinen für Bier das Wort „Leithus, „Lithus“ […] gehabt zu haben“. Das Wort „Braga“ oder „Braha“ der Slaven soll mit dem keltischen Brace verwandt sein (Braungart, S. 86 f.).
Zu den Berichten über die Goten ist noch folgendes erwähnenswert: „In der That [sic] existiert die größte Wahrscheinlichkeit, daß [sic] die Goten […] die Kenntnis des Hopfens und seines Zusatzes zum Bier […] die Goten schon seit ältesten Zeiten gehopftes Bier brauen“ (Braungart, S. 97 sowie auf S. 122). So gibt es Berichte, dass die Goten schon an ihren frühen Wohnsitzen, am Mündungsgebiet der Weichsel, Bier mit Hopfen gebraut haben.